Teatro Circo de Marte

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Das emblematische Gebäude ist seit 1997 deklariertes Kulturgut der Kanarischen Inseln.

Calle Virgen de la Luz, 5

Santa Cruz de La Palma

Teatro Circo de Marte in Santa Cruz de La Palma.

Teatro Circo de Marte – Von der Hahnenkampfarena zum Theater

Im Jahr 2018 feiert das Theater sein 100 jähriges Jubiläum.

Seine facettenreiche Geschichte geht jedoch viel weiter zurück. Das Grundstück, auf dem 1864 das erste Gebäude des "Circo de Marte" – des "Zirkus des Kriegesgottes Martes" – entstand, grenzte an die Gärten eines Dominikanerklosters.

Seine ursprüngliche Kapelle wurde 1530 gebaut und daneben lag das Land der berühmten Familie Van der Walle. Im Jahr 1553 brandschatzten französische Piraten auch diesen Teil der Stadt, viele Gebäude wurden vernichtet oder beschädigt und kurz darauf neu errichtet.

Zahlreiche Prozessionen zogen durch die enge Gasse und es befremdet etwas, dass dort eine Hahnenkampfarena ihren Platz fand. Circo de Marte – der Zirkus des Martes "Kampfhähne waren wie Gladiatoren mit Schnäbeln und Sporen".

Pelea de gallo war kein "Sport" für Arme. Er war überaus beliebt bei den noblen Herrschaften von Santa Cruz. Doch nicht nur der Hahnenkampf sorgte für Unterhaltung, auch Tänze waren gefragt.

So wurde im Jahr 1871 ein neues Gebäude eingeweiht. Es behielt die runde Form, erinnerte aber durch die prismaförmige Grundform mit sechs Ecken an ein römisches Kolosseum. 

Der Kampfplatz wandelte sich und wurde auch zur Bühne für Zirkusvorführungen, Bälle, Karnevalsfeiern.

Vorbild war das Gebäude "Circo habanero" (später Teatro Villanueva) von Havanna Die Geschichte der Isla Bonita ist eng mit Amerika verknüpft. 

Allein Anfang des 19. Jahrhunderts wanderten Zigtausende Palmeros nach Amerika aus, um der Armut auf der Heimatinsel zu entgehen. Viele von ihnen kehrten später wohlhabend und mit neuen Ideen von Kuba nach La Palma zurück. Sie wurden, in Anlehnung des historischen Namens für Amerika, "Indianos" genannt (s. auch Día de Los Indianos).

Der erste Zirkus auf Kuba entstand auf einem Platz Namens "Campo de Marte" und der palmerische Baumeister Sebastian Arozena Lemos ließ sich von dieser Konstruktion inspirieren, deren Dachform eher an einen Zirkus als an ein Theater erinnerte. Eigentlich war er Schiffsbauer und konstruierte z. B. die "Verdad". 

Sie war eines der größten Segelschiffe, dass auf La Palma gebaut wurde, und versank 1899 bei den Bermudas. Ihre Glocke fand nach einem langen Weg des Suchens, ebenfalls im Jahr 2018, ihren Platz im Schiffsmuseum von Santa Cruz.

Durch den regen Seeverkehr tingelten im Lauf der Jahrhunderte viele Schauspieler von La Palma nach Amerika und umgekehrt.

Kubanische Musik und der punto cubano (dessen Verse, décimas, improvisiert werden) sind Teile der palmerischen Kultur. Bewegte Vergangenheit zwischen Kunst und Kultur Durch zeitgeschichtliche Ereignisse wurde das Theater Circo de Marte für sehr unterschiedlichste Zwecke benutzt:

1888/1889 diente es als Lazarett gegen Gelbfieber. Nicht nur die Laken, auch alle Betten wurden verbrannt, bevor es wieder Aufführungen gab.

1897 wurde im Untergeschoss Schnaps gebrannt.

1904 wurde ein offizielles Säbelduell ausgetragen.

1906 gab es erste Stummfilme.

1914 – 1918, genau zur Zeit des Ersten Weltkrieges, wandelte sich die mannigfach genutzte Hahnenkampfarena unter dem neuen Besitzer Silvestre Carrillo Massieu gen Lichtspielhaus.

Die schöne runde Zirkusform blieb zwar erhalten, von außen verschwand sie jedoch hinter rechteckigen Mauern. Die Arena wurde zum hufeisenförmigen Zuschauerraum und die Veranstaltungen erweitert. Zirkusvorführungen, Bälle, Karnevalsfeiern, Lesungen, Konzerte, Theateraufführungen...

1918 offiziell wurde das Theater offiziell eingeweiht. Der deutsche Maler Bruno Brandt (1893-1962) stellte seine Bilder der Caldera de Taburiente dort aus. Einige davon sind heute im Museo Insular der Hauptstadt an der Plaza San Francisco zu sehen.

1930 wechselt der Besitzer des Theaters wieder und 1932 gibt es das erste Kino mit Ton. 

Während des Spanischen Bürgerkrieges und des anschließenden Franquismus war es verboten, Karneval zu feiern (etwa 1937-1975). Um nicht auf dieses Vergnügen zu verzichten, wurde das "Winterfest" erfunden und rauschende Maskenbälle im Teatro gefeiert. Zeitweise fanden eine Druckerei und ein Atelier für Tierpräparationen dort ihre Produktionsstätten.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war La Palma berühmt für feine Stickwaren und aromatische Zigarren.

Die Tabakfabriken hatten eine sehr starke Bindung zu den Zarzuelas, einer Art Operette, und ihre Beschäftigten begleiteten das Tagwerk mit dem passenden Gesang.

Bei einem Konzert im Teatro Ciro de Marte stimmten die Arbeiter in den Beitrag professioneller Sänger ein und es schien, als hätten sie diese Einlage geprobt – so perfekt passten sich ihre Stimmen dem Chor an.

Seit 1981 gehört es das Teatro Circo de Marte dem Ayuntamiento, dem Rathaus von Santa Cruz de La Palma.

Zwischen 1987 und 2008 wurde es gründlich restauriert. Im Jahr 1997 wurde das Teatro Circo de Marte als geschütztes Kulturgut der Kanarischen Inseln eingestuft und gilt heute als eines der emblematischsten Gebäude der Hauptstadt Santa Cruz de La Palma.

Kunst- und Kulturgenuss auf hohem Niveau

Einheimische und Künstler aus aller Welt, auch immer wieder aus Amerika und Kuba, stehen auf dem Spielplan des Circo de Marte, dazu kommen das Anime Kino Festival und natürlich verschiedene Zirkusveranstaltungen.

Wer heute das Theater besucht und im Zuschauerraum oder auf einem der Balkone Platz nimmt, kommt z. B. in den Genuss von Operettenaufführungen, Komödien, Theaterstücken wie der Zinnsoldat oder Alice im Wunderland, Magiern, Sketchen, kanarischer Folklore, modernem Tanz, klassischem Ballett oder dem Internationalen klassischen Musikfestival (einem der "größten kleinen Festivals in Europa").

Fotos & Text: Ines Dietrich

Quellen: - 1918 - 2018 "100 Jahre zwischen Lehnstühlen" Führung anläßlich des 100. Geburtstag mit Erläuterungen von Víctor Hernández Correa, Forscher und Techniker für das historische Erbe vom Ayuntamiento Santa Cruz. - Eldiario.es - "Rescatando a Martí" von Raúl Eduardo Chao - "Historia ilustrada del mundo" Anelio Rodríguez Concepción

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