Seidenmuseum

Museo de la Seda

Calle Manuel Taño, 4

El Paso

Feinste palmerische Seidenstoffe 

Bereits im 16. Jahrhundert gab es auf La Palma verschiedene Spezialisten in dem langen und arbeitsaufwendigen Handwerk der Seidenproduktion.

Um die Grundlage für den edlen Faden zu erhalten, wurden in verschiedenen Gemeinden erst einmal Maulbeerbäume gepflanzt, denn ihre Blätter sind die Nahrungsquelle der Raupen des Maulbeerseidenspinners.

Der kleine Nachtfalter Bombyx mori wurde schon seit Jahrtausenden in China gezüchtet und trug zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert auch zum Wohlstand der Isla Bonita bei.

Die handgewebten Stoffe aus dem Seidenfaden seiner Kokons waren nicht nur bei den Adligen und Reichen der Insel hoch angesehen, sondern auch in Amerika und Europa.

Mitte des 19. Jahrhunderts brachten die maschinenbetriebenen Spinnereien des europäischen Festlands das Kunsthandwerk praktisch zum Erliegen. In El Paso, der ehemaligen Hochburg der palmerischen Seidenproduktion, hat das uralte Handwerk jedoch überlebt. 

"Taller de las Hilanderas" – einmalig in Europa

Nachdem der Seidenbau jahrhundertelang Männersache war, widmen sich in der Seidenwerkstatt heute Spinnerinnen (hilanderas) der 500 jährigen Tradition.

Dabei folgen sie den überlieferten Herstellungs- und Verarbeitungsverfahren. Die Kokons für die begehrten Fäden werden von Einwohnern der Gemeinde geliefert. 

Viele der zwölf Arbeitsschritte können in der Werkstatt beobachtet werden. Alles geschieht in Handarbeit. Dazu gehören u. a. das Abspulen der Rohseide, das Säubern der Fäden, das vorsichtige Anbinden des nächsten Fadens, das Verdrehen sowie das Abkochen in Seifenwasser, um den schönen Glanz der Seide zu erhalten.

Zum Färben werden Naturmaterialien wie Nussschalen, Eukalyptusblätter und die berühmte Cochenille verwendet.

Das Weben der Stoffe erfolgt an Webstühlen, die dem Stand des 16. Jahrhunderts entsprechen.

Die abschließenden Näharbeiten werden von Hand ausgeführt. So entstehen 100% palmerische Kunsthandwerksprodukte wie z. B. wunderschöne Krawatten, Taschentücher und Mieder. 

Die Seidenwerkstatt mit dem angeschlossenen Museum wurde im Jahr 2014 zum Kulturgut (BIC) erklärt.

Seidenraupenzucht

Die Aufzucht der Seidenraupen erfolgt im Haus.

Die Männchen sterben schon kurz nach der Paarung. Ein Falterweibchen lebt 5 Tage, in denen legt es 400-500 Eier. Der Schlupf der Raupen findet im Frühjahr statt. Je nach Temperatur verlassen die Mini-Raupen ihre Eier nach 10-15 Tagen. Ihr Ziel ist jetzt fressen, fressen und wachsen.

Die sommergrünen Maulbeerbäume entfalten neue Triebe und zarte Blätter. Die menschlichen Betreuer der "gusanos" müssen täglich frisch gepflückte Blätter servieren, möglichst maulgerecht zerteilt.

Die Raupen brauchen Sauberkeit und müssen gut beobachtet werden. Das lernen auch viele Schulkinder der Insel, die manchmal "Pflegekinder" mit nach Hause bekommen. 

Eine Raupe häutet sich 4-mal und nach rund 35 Tagen beginnt die Verpuppung.

Damit diese reibungslos verläuft, braucht die Raupe eine Art Rahmen, um sich daran aufzuhängen. In den nächsten 3-4 Tagen konstruiert sie ihre Puppe, indem sie aus dem begehrten Seidenfaden einen feinen Kokon spinnt. Er wird vermutlich ihr Leben kosten, denn bevor die wundersame Metamorphose von der Raupe zum Falter stattfindet, wird die Mehrzahl der "gusanos" sterben.

Die Kokons werden in heißes Wasser geworfen (es darf jedoch nicht kochen) und mit einer Art Besen aus Baumheide wird der 3000-4000 m lange Rohseidenfaden abgehaspelt. Um die nächste "Ernte" zu garantieren, bewahren die Seidenbauern immer einige der Kokons auf. Durch die Winterpause dauert der Schlupf der neuen Generation bis zum nächsten Frühjahr. 

„Um ein Paar Seidenstrümpfe herzustellen, werden etwa 350 Kokons gebraucht; für ein Kleid benötigt man zirka ein halbes Kilogramm Seide oder 1.700 Kokons. Um diese 1.700 Kokons zu erhalten, muss man die hungrigen Raupen mit fast 60 Kilogramm Maulbeerblättern füttern. Es dauert etwa zehn Stunden, um diese Kokons zu haspeln, und noch länger, sie zu weben. Die Seidenkultur ist also ganz sicher nichts für faule und lustlose Menschen." 

In freier Natur lebende Seidenmaulbeerspinner sucht man trotz der zahlreichen Maulbeerbäume vergebens.

Die Falter sind durch die jahrtausendlange Zucht und Inzucht nicht mehr in der Lage zu fliegen und können auch nicht fressen. Ihr Dasein besteht nur darin, den nächsten Kreislauf der Seidenproduktion zu erfüllen. Vielleicht leben sie ja in der Reinheit und Schönheit der delikaten und handgearbeiteten Seidenprodukte der "hilanderas" weiter ...

Konfektionen des Seidenateliers und Designer mit Weltruf

Wer das Atelier mit dem zugehörigen Seidenmuseum in El Paso besucht, kann in den Vitrinen erlesene Stoffbahnen mit komplizierten Mustern, Trachten, Kimonos und festliche Gewände mit aufwendigen Stickereien bewundern. 

Etwas ganz Besonderes sind die High Heels des berühmten Meisters Manolo Blahnik. Der gebürtige Palmero ist einer der weltweit angesehensten Schuhdesigner und wurde 2012 auf der "British Fashion Awards" mit dem Designerpreis ausgezeichnet. Seine Stilettos und High Heels werden von vielen Stars getragen. 

Wie im Oktober in der Zeitung eldiario.es zu lesen war, wird die spanische Modedesignerin Ágatha Ruiz de la Prada eine Kollektion aus der handwerklich hergestellten Seide der "Hilanderas de El Paso" kreieren. Die Premiere wird im Januar 2019 auf der Mercedes-Benz Fashion Week in Madrid sein. Geplant sind weitere Stationen wie Mailand oder New York. 

Unikate der Seidenwerkstatt

Besucher, die eines der schönen Seidenprodukte erwerben möchten, finden vor Ort eine Auswahl an Tüchern, Schals, Krawatten und Fliegen.

Wer selbst gerne stickt, kann seine Arbeiten mit Seidenfäden in schönen Naturfarben aus El Paso veredeln. 

Bei einem Bummel durch El Paso ist das Museum mit seiner malerischen Hommage an den Seidenbau samt Raupe übrigens gut zu erkennen.

Text: Ines Dietrich / Fotos: Uka Roesch / Zitatquelle: OBER ST.VEIT An der Wien 1133.at Historisches zur Maulbeer- und Seidenraupenzucht

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Öffnungszeiten

Ganzjährig
Mo, Di, Mi, Do
10:00-13:00 h
Di, Do
17:00-19:00 h

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